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Karl L. führt ein Doppelleben. Er arbeitet bei einem Stahlbauunternehmen als Werkmeister, ist verheiratet und Vater dreier Kinder. In dem kleinen Ort Westhofen gibt sich der mit dem Frontkämpferabzeichen ausgezeichnete ehemalige Soldat nach außen hin bürgerlich und rechtschaffen.
Doch am 9. September 1938 titelt die "Westfälische Landeszeitung": "Ein gefährlicher Jugendverderber mit vier Jahren Zuchthaus bestraft." Karl L. hat sich während der Arbeitszeit "zu persönlich" um einige der ihm unterstellten jugendlichen Mitarbeiter gekümmert. Dieser intensive Kontakt fällt einem Arbeitskollegen auf, die Personalabteilung erstattet Anzeige gegen Karl L., woraufhin die Dortmunder Gestapo die Festnahme anordnet.
Der mit der Festnahme verbundenen Bloßstellung versucht Karl L. zu entgehen, indem er einen als Unfall getarnten Suizidversuch unternimmt. Vor der Polizei gibt er zu: "Die ganze Nacht habe ich mit mir gekämpft. Am folgenden Morgen ging ich den Weg an der Ruhr entlang, und zwar so, dass ich ausrutschen und ins Wasser fallen musste. In Wirklichkeit hatte ich vor, Selbstmord zu begehen. Ich wollte einen Unfall vortäuschen, um bei meinem evtl. Tode meiner Familie die Rente zu erhalten."
Nach verbüßter Haft wird Karl L. in das KZ Dachau überführt. Am 12. Februar 1943 stirbt er im KZ Sachsenhausen. Er trägt die Häftlingsnummer 52207.
 Abb. 20 Stellungnahme zum Gnadengesuch Die NSDAP-Gauleitung Westfalen-Süd nimmt am 26. Mai 1939 ablehnend Stellung zu einem Gnadengesuch eines Mitangeklagten. Ähnlich argumentiert sie auch gegenüber L.s Ehefrau und Töchter, die am 26. Oktober 1941 ein Gnadengesuch stellen. »Wir stehen auch heute noch zu unserem Vater und werden ihn wieder in unsere Familienge- meinschaft aufnehmen.« Selber sei man mit dem über die Familie hereingebrochenen Unglück schwer getroffen. Die Ehefrau ist, bis sie eine Arbeitsstelle gefunden hat, vorübergehend aus öffentlichen Mitteln unterstützt worden. Man hat die Werkswohnung räumen und in eine andere Stadt ziehen müssen.
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Abb. 18
In das Polizeigefängnis eingeliefert Einlieferungsanzeige der in Dortmund-Hörde ansässigen Gestapo-Stelle für den Regierungsbezirk Arnsberg vom 11. Juli 1938.
Abb. 19
Berichterstattung »Ein gefährlicher Jugendverderber. Mit vier Jahren Zuchthaus bestraft«
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