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Gesellschaftliche und politische Veränderungen in der Weimarer Republik hatten zu ersten Erfolgen der Frauenbewegung geführt. Das Wahlrecht und die Eröffnung neuer Chancen in der Berufs- und Arbeitswelt waren wichtige Voraussetzungen für die Emanzipation von Frauen. Zugleich bildeten sie die Rahmenbedingungen für erste Ansätze zur Ausbildung lesbischer Lebensformen und Identität. Interessenvertretungen, Verbände und Vereine konnten sich herausbilden. Damenclubs, Treffs und Lesbenzeitschriften wurden gegründet.
Die Machtübernahme der Nazis bedeutete das Ende der bürgerlichen Frauenbewegung. Um ihre Auflösung zu rechtfertigen, wurde auch weibliche Homosexualität als Grund genannt. Die Nationalsozialisten gaben vor, sie sei "lesbisch unterwandert", habe ein "Sammelbecken" für lesbische Frauen dargestellt.
Die Auflösung oder Gleichschaltung der Frauenvereine, die Erfassung und ideologische Beeinflussung von Millionen "arischer" Frauen durch die NS-Frauenorganisationen und deren Unterordnung unter männliche Führungsinstanzen waren wichtige Gründe dafür, dass die Nazis in der weiblichen Homosexualität keine Gefahr sahen, die die auf männlicher Dominanz beruhende "Volksgemeinschaft" bedrohen könnte.
Lesbische Frauen waren eher Opfer der nationalsozialistischen Frauenpolitik als der Homosexuellenverfolgung. Das NS-Frauenbild reduzierte die Frau auf die Rolle als Ehefrau und Mutter. Sowohl Kampagnen gegen ledige und kinderlose Frauen als auch Diskussionen um eine mögliche strafrechtliche Verfolgung nötigten lesbische Frauen zu einem unauffälligem Verhalten in der Öffentlichkeit.
 Abb. 17
Mutterkreuzverleihung in Fichtenbach bei Fürth im Wald, 19.Dezember 1939 Abb. 18
Abb. 19
Abb. 20
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Abb. 14
Lida Gustava Heymann (1868–1943 links) und Dr. Anita Augspurg (1857–1943 rechts) waren rund vierzig Jahre Lebensgefährtinnen und prominente Vertreterinnen des radikalen Flügels der bürgerlichen Frauenbewegung. Anita Augspurg war die erste deutsche Juristin. Ihr Vermögen wurde 1934 während einer Auslandsreise von den Nationalsozialisten beschlagnahmt. Sie kehrten nicht nach
Deutschland zurück. Im Exil in der Schweiz lebten sie bis zu ihrem Tod von der finanziellen
Unterstützung von Freundinnen und der internationalen Frauenbewegung.
Abb. 15
Käthe Schirmacher und Klara Schleker 1917. Sie waren das einzige bekannte Lesbenpaar in der ersten deutschen Frauenbewegung. In ähnlichen, jahrzehntelangen Lebens- und Arbeitsbeziehungen lebten u. a. die Pädagoginnen Helene Lange und Gertrud Bäumer, Vertreterinnen des gemäßigten Flügels der Frauenbewegung, sowie Dr. Franziska Tiburtius und Emilie Lehmus, die beiden ersten Berliner Ärztinnen.
Abb. 16
Franz Kade, Die Wende in der Mädchenerziehung, Dortmund und Breslau, 1937
1933 begann die Zerschlagung und Unterdrückung der Frauenbewegung und ihre "Gleichschaltung" unter männlicher Führung. Es traf eine Bewegung, die mit ihren Gleichberechtigungsforderungen die traditionelle bürgerliche Frauenrolle in Frage stellte. Insbesondere wollte die Frauenbewegung die materiellen Lebensbedingungen von Frauen verbessern. Dazu erkämpfte sie bessere Berufschancen und förderte erfolgreich die Mädchenbildung. Viele dieser Erfolge sind auf die Aktivitäten lesbischer Frauen zurückzuführen. Aber auch für sie war die Frauenbewegung Basis und Rückhalt. Bereits 1912, im Deutschen Kaiserreich und Ende der zwanziger Jahre verhinderte die gemeinsame Politik der ersten Homosexuellenbewegung, der ersten Frauenbewegung und sexualreformerischer Organisationen die Ausdehnung des "Unzuchtparagraphen" § 175 auf Frauen.
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