Arbeitskreis
Schwul-lesbische Geschichte
Dortmund

Homosexuelle Frauen und Männer: verfolgt – verschwiegen – vergessen

Lesbische Kultur

In den zwanziger Jahren gab es eine vielfältige Kulturszene für lesbische Frauen. "Die Freundin" war die populärste und meist verbreitete Lesbenzeitschrift der Weimarer Republik. Lesbenzeitschriften wurden in Berlin an Zeitschriftenständen verkauft und waren im Abonnementbezug überall erhältlich. Ihr Anzeigenteil erfüllte eine wichtige Funktion im Kommunikationsnetz lesbischer Frauen.

Im Kabarett, in Theater und Film wurden Stücke mit lesbischen Inhalten aufgeführt. Lesbische Sängerinnen, Schauspielerinnen und Schriftstellerinnen waren populäre Stars. Die Nationalsozialisten entzogen vielen Kulturschaffenden ihre Existenzgrundlage durch Arbeits- und Auftrittsverbote. Sie mussten emigrieren. Wer blieb, war gezwungen ein Doppelleben zu führen.

Die Folgen der Diskriminierung waren tiefgreifend. Sie überdauerten die nationalsozialistische Herrschaft. Auch nach dem Krieg zogen sich viele lesbische Frauen ins Private zurück oder heirateten, um dem gesellschaftlichen Druck zu entgehen. Sie versuchten sich anzupassen und wurden "unsichtbar".

 

Abb. 25

Christa Winsloe (1888–1944)
1931 wurde das lesbische Bühnenstück "Gestern und Heute" von Christa Winsloe uraufgeführt und anschließend verfilmt. Es war ein großer Erfolg. Carl Froelich, der spätere Präsident der Reichsfilmkammer wählte den Titel "Mädchen in Uniform". Obwohl die lesbische Liebe "zwischen den Zeilen" zu spüren war, sahen die Nationalsozialisten keinen Anlass den Film zu verbieten. Winsloe wurde 1944 zusammen mit ihrer Freundin in Frankreich von Kriminellen ermordet.

Abb. 26

Charlotte Wolff (1897–1986)
Ärztin, Psychologin, Schriftstellerin.
Wolff engagierte sich politisch und erhielt als jüdische Ärztin 1933 Berufsverbot. Die kurzzeitige Festnahme durch die Gestapo im Februar 1933 gab den Ausschlag für ihre Emigration nach Frankreich, dann nach England, wo sie bis zu ihrem Tod lebte.

Abb. 27

Gertrude Sandmann (1893–1981)
Die jüdische Malerin täuschte, um der Gestapo zu entgehen, einen Selbstmordversuch vor, da eine Emigration nicht mehr möglich war. Jahrelang wurde sie von ihrer Lebensgefährtin Hedwig Koslowski versteckt und konnte auf diese Weise überleben.

Abb. 28

Erika Mann (1905–1969)
Schauspielerin, Schriftstellerin und Leiterin des erfolgreichen antifaschistischen Kabaretts "Die Pfeffermühle", war schon vor der Machtübernahme von den Nazis attackiert worden. Im März 1933 emigrierte sie aus politischen Gründen, wurde 1935 ausgebürgert und ihre Bücher wurden in Deutschland verboten. Auch ihre Freundin und Partnerin Therese Giehse (1898–1975), die zudem jüdischer Herkunft war, emigrierte und setzte zusammen mit Erika Mann die Kabarettarbeit im Exil fort.

Abb. 29

Anna Freud (1895–1982)
Selbst Analytikerin, war sie als Jüdin, als Mitarbeiterin und Tochter des Begründers der Psychoanalyse Sigmund Freud höchst gefährdet, nicht aber wegen ihrer Lebensgemeinschaft mit Dorothy Burlingham. Sie emigrierte nach England.

Abb. 31

Claire Waldoff, rechts, bei einem Duett mit Margo Lion, 1928

Abb. 30

Claire Waldoff (1884–1957)
war in den zwanziger Jahren als Chanson- und Kabarettsängerin ein gefeierter Unterhaltungsstar. Sie wurde als Clara Wortmann in Gelsenkirchen geboren und stammte aus einer kinderreichen Familie im Bergarbeitermilieu. Ihre größten Erfolge feierte sie bis 1933. Claire Waldoff fasste den Entschluss, nicht zu emigrieren. Sie musste im nationalsozialistischen Deutschland eine Strategie zwischen Anpassung und Auflehnung wählen. Sie konnte so jedoch nicht mehr an ihre alten Erfolge anknüpfen. Ihre lesbische Beziehung zu ihrer Lebensgefährtin Olga von Roeder hat sie in den vierzig Jahren des Zusammenlebens öffentlich gelebt.

Zum Vergrößern auf das Bild klickenAbb. 22

In den Lesbenzeitschriften der zwanziger Jahre fanden sich zahlreiche Anzeigen und Veranstaltungshinweise von Lokalen aus dem Ruhrgebiet.

Das mondäne Tanzlokal
Zimmerstraße 28, Dortmund

Die Duisburger Felsenburg
Felsenstraße 95

Gasthof zum Landgericht
Feldstraße 9, Duisburg

Restaurant Weyh
Republikplatz 4
(heute Gerlingplatz), Essen
später das Essener Eldorado

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Café Rose, Hermannstraße 77, Dortmund Hörde

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